Eine Unterrichtsstunde in Dankbarkeit

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  • Eine Unterrichtsstunde in Dankbarkeit

    Als Instrumentalpädagoge bin ich täglich mit dem Lernverhalten meiner Schüler konfrontiert. Diese Tätigkeit übe ich schon einige Jahre aus. In der letzten Zeit, besonders nach der sogenannten Pisa-Studie und den damit verbundenen Veränderungen für Schüler, fällt mir bei ihnen eine zunehmende Verkrampfung körperlich wie geistiger Art bei Fehlern auf. „Verspieler“ oder Nichtkönnen führen dazu, sich so anzuspannen, das ein weiteres Spielen auf dem Instrument nicht möglich ist, ohne abzubrechen, oder sich verbal negativ zu äußern. Wenn der Schulstress besonders groß ist, kann es auch schon mal Tränen geben. Ein Fehler ist für Viele inzwischen unverzeihlich. Der Alltag in der Schule lehrt sie so zu denken. Nicht erbrachte Leistungen werden mit einer schlechten Zensur quittiert. Des Weiteren fehlt die Anleitung, wie man richtig lernen kann.

    In der letzten Woche habe ich mir dieses Verhalten zum Anlass genommen, daran zu arbeiten. Ich habe ihnen bewusst gemacht warum sie auf dem Instrument nicht weiter kommen. Es fehlt ihnen die Bereitschaft Defizite aufzuarbeiten, denn Fehler sind für sie inzwischen eine massive negative Erfahrung, an der man nicht arbeiten möchte. Wie ist es möglich, diesen Kreislauf zu durchbrechen?

    Es gibt den Spruch „ aus Fehlern lernt man“. Mit dieser Aussage habe ich sie konfrontiert und in einem Gespräch genau beleuchtet und den Fokus auf ihr Gefühl gerichtet. Mit dem Verstand konnten sie es nachvollziehen aber ihr Gefühl sagte nein.
    Wie soll man lernen wenn man sich nicht gut fühlt?

    Dann haben ich mit ihnen ein Experiment gemacht. Wir haben uns nach einem Fehler vorgestellt das er ein Geschenk ist. Über ein Geschenk freut man sich, ist dankbar.
    Lieber Fehler es ist gut das du geschehen bist. Jetzt kann ich mit dir arbeiten, so das ich etwas so verändern kann, damit ich weiter komme. Dann haben wir 3x laut „Ich bin Dankbar“ gesagt.
    Ganz gelöst war es möglich die Ursache für den Fehler zu erkennen, sich eine Vermeidungsstrategie zu erarbeiten und es erneut zu probieren; und das mit Erfolg.

    Die Freude danach war beiderseits. Denn auch für mich war es eine Befreiung, weil ich mit Mitgefühl die Schüler habe öffnen können. Dafür bin ich sehr dankbar.
    Wie oft habe ich vor diesen Situationen gestanden und verzweifelt auf den Ebenen des Instrumentes ein Lösung gesucht. Es ging nicht weit genug. Die Lösung liegt im Denken der vier Tugenden, Dankbarkeit, Mitgefühl, Vergebung und Barmherzigkeit, sowohl als Lehrender wie Lernender.

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