Der ganz normale Wahnsinn im Zeitalter der Medien?

  • Viele Meldungen laufen durch die Nachrichten über Katastrophen, Attentate, Aufstände und Missstände … Im Web lesen wir zeitgleich News über die Figur-Probleme von Prominenten oder von Party-Exzessen von angesagten It-Girls …. Oder wir schauen Nachrichten mit Schreckensmeldungen und anschließend den Spielfilm des Tages. Ist unsere Gesellschaft abgestumpft oder brauchen wir zum Ausgleich der Extreme andere Extreme? Ist das der ganz normale Wahnsinn im Zeitalter der Medien?


    Viele Menschen klagen, dass sie keine Zeit haben, aber fast alle haben immer Zeit fernzusehen und sagen, dass sie es zur Entspannung brauchen? Andere schlagen sich vor Langeweile mit Fernsehen oder Internet regelrecht die Zeit tot! Paradox oder etwa nicht?

  • Wir werden mit Meldungen und Informationen regelrecht überschüttet und sind dann schnell Überfordert, so dass wir sie
    einfach „abhaken“ und zur nächsten Meldung übergehen. Wir sind unbewusst und reagieren mechanisch. Dabei haben wir
    einen freien Willen und sollten eine genaue Unterscheidung treffen, welche Meldung uns interessiert und wichtig für uns ist.
    Und was die Zeit angeht - sollten wir uns einmal die Mühe machen, unseren Tagesablauf chronologisch genau zu
    dokumentieren und dann darüber nachdenken, war das sinnvoll oder nicht, was ich den ganzen Tag gemacht habe?
    Außerdem wäre Zeit auch ein Thema mit dem wir uns einmal intensiv beschäftigen sollten!

  • Wollen wir in unserer Konsumgesellschaft schlechte Nachrichten abhaken, wie du sagst, nicht nur weil es zu viele sind, sondern vielleicht auch, weil sie uns nicht zu nah kommen sollen?


    Du sprichst von bewusst-sein und vom freien Willen, doch ist dieser, so wie du es begründest, an Unterscheidungsvermögen gekoppelt. Haben wir das, wollen wir das? Ich denke, dass es auch viel mit Selbstdisziplin und Vernunft zu tun hat: Was ist für uns bequem, dass wir es gerne bzw. nicht gerne tun wollen und was unbequem, so dass wir es lieber lassen, auch wenn es vernünftiger wäre es zu tun?


    Ich freue mich, dass du an dem Thema Zeit interessiert bist! Hast du Lust, dass wir dazu eine neue Seite eröffnen? Wenn ja, In welchem Forum wäre es am besten?

  • Da Zeit ein sehr komplexes Thema ist, wäre es am besten wenn wir ein spezielles Forum dafür eröffnen würden,
    aber es wäre auch möglich darüber in Mysterie und Philosophie zu schreiben.
    Wir nehmen die Zeit sehr unterschiedlich wahr, mal vergeht sie wie im Fluge, dann wiederum vergeht sie quälend langsam.
    Jeder hat eine sehr subjektive Wahrnehmung der Zeit und es kommt auch auf die Situation an, in der Mensch sich
    befindet sich. Wir teilen unser Leben in Zeitabschnitte ein, organisieren so unseren Tag, unser Leben. Wie heißt es so schön:
    Alles hat seine Zeit - aber ist das wirklich so? Ja? Nein? Jein? oder weder Ja noch Nein?
    Verschiedene Bewußtseinsebenen – verschiedene Antworten?
    Was denkt Ihr darüber?

  • Viele Meldungen laufen durch die Nachrichten über Katastrophen, Attentate, Aufstände und Missstände … Im Web lesen wir zeitgleich News über die Figur-Probleme von Prominenten oder von Party-Exzessen von angesagten It-Girls …. Oder wir schauen Nachrichten mit Schreckensmeldungen und anschließend den Spielfilm des Tages. Ist unsere Gesellschaft abgestumpft oder brauchen wir zum Ausgleich der Extreme andere Extreme? Ist das der ganz normale Wahnsinn im Zeitalter der Medien?


    Für mich macht das die Wiedersprüchlichkeit dieser Welt deutlch. Dadurch, dass wir uns im Medienzeitalter befinden kommen diese Wiedersprüche noch deutlicher zum Vorschein, direkt in unser Wohnzimmer, so dass sie und eigentlich immer mehr bewusst werden können. Man könnte aber meinen, dass es immer schlimmer wird und dass es kein Maß mehr gibt für den Unsinn und den Müll, der im Fernsehen und im Internet produziert wird. Auf der anderen Seite stehen die tatsächlichen Katasrophen, die den Zustand der Welt dokumentieren.

  • Ihr beschreibt sehr gut und sachlich den Zustand unseres Lebens. Es ist alles richtig.
    Dabei entsteht allerdings die Frage – ja, und?
    Warum berührt euch das so stark? Was wollt ihr damit ausdrücken?


    Ich glaube, wenn wir diese Fragen beantworten können, sind wir imstande es zu verstehen.

  • Du hast uns gefragt und bekommst von mir eine persönliche Antwort. Es ist in erster Linie die Beobachtung eines Zustand. Für mich selbst kann ich z.B. ganz auf Fernsehen verzichten, nicht weil ich es mir bewusst nicht erlaube, sondern weil es mich größtenteils nicht interessiert. Spätestens wenn ich Kinder habe können mir die Probleme im Umgang mit Fernsehen nicht gleichgültig sein. Kinder lieben Fernsehen und ist es nicht so, dass je mehr Kinder fernsehen desto größer dieses Feld wird und noch mehr in ihren Bann zieht? Ja, es kommt immer auf das Maß an und den vernünftigen Umgang, aber mit Vernunft ist da nicht viel zu erreichen, vor allem nicht, wenn fast die gesamte Gesellschaft sich so verhält. Mein Sohn ist noch keine 18, aber er sieht wie viele seiner Kumpel in seinem Alter gerne Horrorfilme. Ich möchte nicht, dass er sich solche Filme ansieht und könnte mich dabei glatt übergeben, aber ich habe gar keinen Einfluss mehr darauf, vor allem, weil sein Vater selbst solche Filme anschaut und es toleriert.


    Natürlich scheiden sich da die Geister über das, was ich gut finde und das, was andere gut finden und es kommt auch immer darauf an, mit welcher Einstellung und mit welchem Bewusstsein ich schaue u.s.w., aber Fernsehen ist für mich (trotz vieler Vorteile) wie eine Seuche. Früher, als ich jugendlich war, kam mir das Leben zu Hause wie ausgestorben vor, wenn jeden Abend nur konsumiert wird. Auf der anderen Seite kenne ich das selbst, wie es ist, wenn man in diesen allabendlichen Sog gerät. Und ich liebe es trotzdem, hin und wieder mit der ganzen Familie einen Film zu schauen ....
    In allem sehe ich vor allem ein großes Müllproblem. Die Welt produziert auf vielen Ebenen immer mehr Müll und wir wissen schon nicht mehr, wohin wir damit noch sollen und vergiften uns. Mit Fernseh- oder Internetmüll verhält es sich doch nicht anders. Was ist mit dem Müll, der in unseren Köpfen entsteht?
    Tut gut, dass mal loszuwerden!

  • Ich habe dieses Thema gewählt, weil es letztens in einem Gespräch mit Jemandem genau so zur Sprache kam, der sinngemäß sagte: „Diese Welt ist echt komisch! Wie kann es sein, dass wir gerade von einer sehr großen humanitären Katastrophe in Afrika hören und wenige Sekunden später über irgendwelche Themen, die die Welt nicht braucht? Es ist schon merkwürdig!“ Er ist selbst sehr krank, macht sich trotzdem Gedanken über diese Welt, fragt nach den Verhältnismäßigkeiten und nach den wirklichen Problemen. An so einer Auseinandersetzung kann ein sensibler Mensch resignieren, weil es ihm was ausmacht und er nach dem Sinn des Ganzen sucht.


    Was Aijahna beschreibt sind ebenso Probleme dieser Welt, denen Menschen oft hilflos gegenüberstehen. Wahrscheinlich wird sie, je mehr Argumente sie gegen den Konsum von Horrorfilmen vorbringt, auf umso mehr Gegenargumente stoßen, warum es letztendlich nicht so schlimm ist usw. Ich kenne das und es zerrt am Nervenkostüm. Es ist schwer, weil wir uns in der eigenen Familie schwerer distanzieren können und Probleme ganz nah an uns herankönnen. Betrachten wir es mal insgesamt, so gibt es Jugendliche in Afrika, die nichts haben und denen außer der sehr konkreten Sorge um ihr Überleben nicht viel im Leben bleibt. Jugendliche hier in Europa haben viel mehr Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten, nutzen ihre Chancen aber oft nicht, weil sie anderen Problemen ausgesetzt sind. (Über die Gründe könnte ich noch viel erzählen.)


    Gestern war ich im Altersheim unter alten Leuten, die nicht mal mehr wissen, wer sie sind. Sie haben Zeit, mit der sie aber gar nichts mehr anfangen können bis der Vorhang des Lebens fällt. In ihren Köpfen ist durch ihre Vergesslichkeit nicht mehr viel und was ist das Leben unter diesem Blickwinkel? Doch auch nichts anderes als ein Drehbuch was abläuft. Wir schaffen uns Spielfilme und merken am Ende nicht, dass wir uns selbst in einem befinden. Also sollten wir dankbar sein über alles, was uns widerfährt, damit wir Wesentliches im Leben erkennen können. Medien spiegeln uns die Maya in einer sehr krassen Weise.


    Es sind immer wieder die Konflikte, in die wir auf verschiedenen Ebenen hineingeraten und es ist entscheidend wie emotional wir darauf reagieren. Konflikte gibt es endlos viele in dieser Welt. Sie berühren uns, weil sie uns Leiden schaffen und weil wir Lösungen finden wollen. Meine Frage ist: Können wir ihnen aus dem Weg gehen? Sollen wir ihnen aus dem Weg gehen? Gibt es Auswege aus diesen Dilemmata?

  • Mein Sohn ist noch keine 18, aber er sieht wie viele seiner Kumpel in seinem Alter gerne Horrorfilme. Ich möchte nicht, dass er sich solche Filme ansieht und könnte mich dabei glatt übergeben, aber ich habe gar keinen Einfluss mehr darauf, vor allem, weil sein Vater selbst solche Filme anschaut und es toleriert.


    Was Du schreibst Aljanah kann ich sehr gut nachvollziehen und deine Zeilen transportieren in meinen Augen eine gehörige Portion Hilflosigkeit. Sicher auch ein Spiegelbild für die vielen besorgten Mütter dieser Erde, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und sich wahrscheinlich genauso hilflos fühlen mögen wie Du. Sicherlich hast Du auf einer Ebene recht. Du siehst Dich als Opfer der Medien, die Dich und Deine Kinder mit Müll überschütten, obwohl Du das weder für Dich noch für Deine Kinder möchtest.
    - Du schreibst selbst, dass das Fernsehen auch viele Vorteile bietet.


    aber Fernsehen ist für mich (trotz vieler Vorteile) wie eine Seuche.


    Alles hat zwei Seiten und die positiven Seiten des Fernsehens und des Internets sind eine schnelle Übermittlung von Informationen. Wie sonst könnten wir beispielsweise ausführlich und zeitnah über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, über Katastrophen, die sich in der Welt ereignen, über Krieg und Frieden… informiert werden? Wie sonst könnten wir unser Wissen vernetzen, beispielsweise durch Foren wie dieses?
    Mir würde diese Informationsquelle in der Tat fehlen, auch im Hinblick auf die Arbeit für die Heilung unseres Planeten.


    Aber zurück zu den Kindern. Ich denke, Deine Kinder müssen ihre Erfahrungen selbst machen. Du kann sie ihnen nicht abnehmen, oder sie gar davor schützen. Sie brauchen diese Erlebnisse vielleicht auch, um sich weiter zu entwickeln und um ein gutes Unterscheidungsvermögen ausbilden zu können. Und ich kann Dich beruhigen. Ich selbst habe früher gerne Heavy Metall - Musik gehört, dazu getanzt und Horrorgeschichten von Stephen King gelesen. Trotzdem beschäftige ich mich heute mit der Heilung des Planeten.. Also sieh das Ganze nicht zu negativ. Alles hat zwei Seiten.

  • ;) Ich finde, das es zu diesem Thema keine einfache Antwort gibt. Wenn man gedanklich und emotional auf der Ebene bleibt, in der man auf das Thema trifft, reist es einem wie ein Wasserstrom fort. Und ich glaube das es keinem hilft. Ein Freund von mir sagte mal, das diese Welt ein Krankenhaus ist.
    Ich denke dann immer, das ich Patient und Arzt gleichzeitig bin. Arzient, kein leichter Beruf.

  • Ein Freund von mir sagte mal, das diese Welt ein Krankenhaus ist.
    Ich denke dann immer, das ich Patient und Arzt gleichzeitig bin. Arzient, kein leichter Beruf.


    Ich musste echt lachen, es ist echt amüsant. Sind wir tragische Komödianten?
    Wenn du dein eigener Patient und Arzt bist, dann kannst du dir also selbst die Probleme schaffen, hast aber gleich auch Lösungen parat? Erklär´ mal!

  • Arzient, kein leichter Beruf.

    Super, ein ganz neuer Berufszweig. Bin sowieso gerade auf der Suche nach einem neuen Job. Würd´ mich auch mal interessieren wie Du so Deinen Alltag bewerkstelligst als Arzient! Vielleicht lässt sich das Ganze ja auch ganz schnell in mein Leben integrieren? Oder brauch´ ich dafür eine längere Einarbeitungszeit :whistling: :?:

  • Es stimmt mich richtig froh, das ich so viel Freude verbreitet habe. Schnelle Antworten und Rezepte gibt es meiner Meinung nicht. Mit dem Arzienten wollte ich nur beschreiben, das uns diese Welt manchmal krank macht, wir zu Patienten werden und dann müssen wir sehen das wir wieder gesunden. Dann können wir zu unserem eigenen Arzt werden. Das geht meiner Meinung nach nur über das Bewusstsein was wir denken. Und das ist nicht leicht.

  • Ich finde Deine Wortschöpfung ganz besonders interessant. Arzt und Patient sind für mich wie zwei Pole, die sich erst mal gegenüberstehen. Der Arzt symbolisiert im Hinblick auf Krankheit den Pluspol, der Patient den Minuspol. Der Arzient vereint beide Pole miteinander und erst dann kann auch eine ganzheitliche Heilung geschehen. Das Schöne an diesem Bild ist zudem, dass man für diesen Heilungsprozess keine weitere außenstehende Person benötigt, sondern, dass man sie in der Tat selbst bewerkstelligen kann. Ich finde das ist eine tolle und vor allem heilsame Vorstellung! :thumbup:

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    Das Schöne an diesem Bild ist zudem, dass man für diesen Heilungsprozess keine weitere außenstehende Person benötigt, sondern, dass man sie in der Tat selbst bewerkstelligen kann.


    Ja, diesen Gedanken hatte ich auch bei dem Bild. Nach einiger Zeit hat es mich aber nachdenklich gemacht. Schaffen wir das wirklich allein? Ich glaube das der Arzient es nur schaffen kann, wenn er sich mit höheren Gedankenformen, die ihn diese Welt transparent machen, verbindet. Ich möchte das Bild um eine Beschreibung erweitern. Das Bild ist des betenden Arzienten.